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Sicher weisst du, dass die Stadt Wroclaw frueher einmal Breslau hiess und eine der bedeutendsten preussischen Staedte war. Viele Menschen westlich der deutsch-polnischen Grenze benutzen noch immer den alten, den deutschen Namen Breslau, wenn sie von Wroclaw sprechen. Die meisten Deutschen wissen ueber diesen Teil der Wroclawer Geschichte Bescheid. Trotzdem wollen wir auf dieser Seite ein paar geschichtliche Fakten praesentieren.
Zuerst stand Wroclaw unter der Herrschaft der polnischen Piastkoenige, aber schon im 13. Jahrhundert waren die deutschen Siedler die staerkste Bevoelkerungsgruppe in der Region. Sie halfen die Stadt nach dem Durchmarsch der Hunnen wiederaufzubauen und verwandelten sie in ein bluehendes Handelszentrum. In den nachfolgenden Jahrhunderten wuchs Wroclaw weiter, abwechselnd unter boehmischer und oesterreichischer Herrschaft. 1741 eroberte Friedrich II es und nannte es offiziell um in Breslau, obwohl der germanische Name schon lange Zeit vorher in Gebrauch war. Waehrend der naechsten 200 Jahre wurde die Stadt zunehmend deutscher, aber erst in den Jahren nach der Machtergreifung der NSDAP wurde ein aggressive Eindeutschungspolitik verfolgt. Bereits 1938 war die gesamte polnische Bevoelkerung aus der Stadt vertrieben worden, ebenso wie zwei Drittel der Juden. 
Waehrend des 2. Weltkrieges wurde ein neues, blutiges Kapitel geoeffnet. Breslau war die letzte Bastion des Deutschen Reiches im Kampf gegen die sowjetischen Truppen. Von Hitler die Breslauer Festung genannt war die Stadt Schauplatz eines 14-woechigen Angriffs, der 170000 Zivilisten, 6000 deutsche und 7000 sowjetische Soldaten das Leben kostete. Schliesslich erfolgte die deutsche Kapitulation, als letzte des Deutschen Reiches, ganze vier Tage nach der Berlins am 6. Mai 1945. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als eine gigantische Ruine, ueber 70% waren zerstoert. Die wenigen deutschen Ueberlebenden waren der Gnade der Roten Armee ausgeliefert. Einige konnten westwaerts fliehen, die Zurueckbleibenden waren den Pluenderungen, Vergewaltigungen und dem Terror der Roten Armee in ihrem Siegesrausch ausgesetzt.
Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg wurde Polen de facto nach Westen verschoben. Dies geschah auf Stalins Anregung, denn dadurch wurden ehemals polnische Staedte wie Wilno (Vilnius) und Lwow (Lviv) der Sowjetunion zugesprochen. Als Entschaedigung erhielt das neue Polen ehemalige deutsche Staedte wie Breslau. Daraufhin wurden die wenigen noch in dieser Region lebenden Deutschen vertrieben und in Deutschland neu angesiedelt. In den nun polnischen Gebieten liessen sich tausende polnischer Fluechtlinge aus der heute ukrainischen Region Lviv nieder. Und natuerlich bekam Breslau seinen alten polnischen Namen, Wroclaw, wieder.
Das alles scheint erst einmal ein wenig verwirrend. Aber es ist eigentlich ganz einfach! Die menschenleere und zerstoerte Stadt Wroclaw bekam ihre neuen Einwohner aus den Gebieten um Lwow. Die dortigen Polen mussten ihre Heimat verlassen, da dieses Gebiet der Sowjetunion zugesprochen wurde. Sie zogen in die zerstoerte deutsche Stadt Wroclaw. Alles in dieser Stadt erinnerte die Neuankoemmlinge an die Nazis und deren Schreckensherrschaft, die deutschen Strassennamen, Monumente, Inschriften und Strassenschilder. Dazu kamen der Verlust der Heimat Lwow und des Eigentums. All dies machte die Situation in Wroclaw unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg nicht einfach.
In den folgenden Jahren wurde in Wroclaw Wiederaufbauarbeit geleistet, in sowohl physischer als auch psychischer Hinsicht. Viel Zeit und Muehe wurden investiert um Wroclaw zu einer polnischen Stadt zu machen, die endlich nach langer Zeit und der abstossenden Naziherrschaft an die rechtmaessigen Einwohner, die Polen, zurueckgelangt ist. Das entspricht natuerlich nicht dem wahren Mix der Kulturen und der wechselvollen Geschichte dieser Stadt. Viel Geld wurde ausgegeben um Wroclaw zu entdeutschen, dass heisst die Entfernung aller deutschen Schilder und Inschriften. Danach begann der Wiederaufbau der wunderbaren Bauten aus dem 13. Jahrhundert, die diese Stadt einst zierten. Nach diesen Arbeiten erscheint Wroclaw jetzt wieder als stolze und wunderschoene polnische Stadt.
Die Schatten der Vergangenheit lassen sich jedoch nicht abschuetteln. Unter der lebhaften und freundlichen Oberflaeche brodelt die wechselvolle Geschichte. Der Umgang mit den deutschen Breslauern nach dem 2. Weltkrieg stellt das polnische Opferempfinden in Frage. In Polen ist das Gefuehl, staendig Aggressionen von aussen zu begegnen, stark verbreitet. Diskussionen ueber eigenes Fehlverhalten werden dadurch selten gefuehrt. In Wroclaw loest man diesen Zwiespalt mit Angeboten fuer Heimattourismus. Deutsche, die frueher in Breslau lebten, werden willkommen geheissen sich ihre alte Stadt, ihre alten Haeuser, ihre alte Heimat anzuschauen. Das Gewissen der Wroclawer wird beruhigt mit den Argumenten, dass der Umgang der Deutschen mit den Polen insgesamt noch viel schlimmer war, als der der Polen mit den deutschen Breslauern. Ausserdem sind die Polen damals selbst aus ihrer Heimat Lwow vertrieben worden. Mit diesen Argumenten will man Vorwuerfen bezueglich der Behandlung der deutschen Fluechtlige aus Wroclaw begegnen. Hier muss man allerdings im Gedaechtnis haben, dass nur etwa 20% der polnischen Neuankoemmlinge in Wroclaw aus Lwow kamen. Der Grossteil kam stattdessen aus Warszawa und Poznan.
Trotz all dieses geschichtlichen Ballasts, oder vielleciht auch gerade deswegen, ist Wroclaw eine entspannte und zukunftsorientierte Stadt. Es herrscht ein Gefuehl der Einvernehmlichkeit zwischen Deutschen und Polen die Vergangenheit ruhen zu lassen. Keiner haelt dem Andern die Fehler der Vergangenheit vor, denn es wuerde ja doch nichts aendern an der Realitaet. Stattdessen schaut man gemeinsam erwartungsvoll in die Zukunft. Trotzdem leben die Erinnerungen fort. Viele der deutschen Besucher Wroclaws suchen nach kleinen Spuren der Vergangenheit, ihrer eigenen Vergangenheit, in Wroclaw. | | | |
 |  | "Sehr geehrte Verfasser der
Geschichte Breslaus !
Ich bin 1942 in Breslau geboren, also zu jung um mich an das alte deutsche Breslau zu erinnern. Ich war jetzt dort und bin sehr beeindruckt.
Meine Gefühle in Breslau waren sehr gemischt, Stolz auf die Stadt, die ein Teil von mir ist, Traurigkeit über den Verlust, da ich mich trotz aller Verbrechen und Schuld der Nazis als Deutscher mich Breslau verbunden fühle.
Bewunderung über den engagierten ja liebevollen Wiederaufbau der Stadt durch Polen. Solidarität mit den Polen, die auch unter der Vertreibung und Umsiedlung gelitten haben.
Ihre Beschreibung der Geschichte ist um
Objektivität bemüht und versöhnlich, was
auch meinen persönlichen Erfahrungen mit
Polen in Breslau entspricht.
Sie haben es richtig gesagt, die Chance
für Polen und Deutsche, Breslauer aus beiden Ländern liegt in der Zukunft und
in Europa. Es macht mich glücklich, daß
ich den Beginn der deutsch-polnischen
Aussöhnung noch erleben darf sowie sie
auch mit Frankreich gelungen ist.
Mit herzlichen Grüssen
Wolfgang Balzke
Geboren in der ul. Szczesliwa 14
in Wroclaw
" | wolfgang Balzke Germany May.02.2008 rates this page 3/5 |
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